Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes I.

Also die Fruchtbarkeit! Ich habe gesagt, durch den Intellectualismus sinke die Geburtenziffer. Ja, sagt Oda, das ist wahr, aber es ist gut. Das ist ihr eigentlicher Fehltritt. Je weniger die Nachkommenschaft eines Thieres bedroht sei, um so geringer sei die Fruchtbarkeit. Da bei hoher Cultur das Menschenleben mehr geschont werde als bei geringer, sei also die Fruchtbarkeit um so weniger von nöthen, je weiter die Cultur fortschreite. Die darwinistische und die sociale Entwicklung werden durcheinander gemengt, auch ein recht modernes Verfahren.
Thatsächlich nehme die Kinderzahl mit dem Wachsen von Reichthum und Bildung ab, und zwar in der Hauptsache durch bewusste Absicht. Das ist vollkommen richtig und ein Beweis dafür, daß die sogenannte Cultur ein Mörder ist.
Oda aber empfiehlt die nach Malthus benannte Art zu handeln. Denn wenn weniger Kinder geboren werden, so werden sie, meint Oda, besser aufgezogen und erzogen. Die durch den Intellectualismus erleuchteten Frauen, die vom Kindersegen nichts mehr wissen wollen, verstehen sich auf hygienische Maaßregeln, so daß die wenigen Kinder schön gedeihen, und sie sind reich an Geistesschätzen, so daß sie ihre Kinder nicht nur grossziehen, sondern auch auf die Höhen des Intellectualismus führen können. Solches Zeug schreibt die studirte »Sociologie« zusammen, weil sie meiner Folgerung nicht entrinnen kann und doch auf die feministischen Bestrebungen nicht verzichten will. Sie schlägt einen Haken, und weist darauf hin, wie viele Kinder in Arbeiterfamilien zu Grunde gehen. Wäre es da nicht besser, wenn die Eltern nur ein paar Kinder erzeugten, sie aber recht sorgfältig aufpäppelten? Freilich, für arme Familien in der Stadt ist die Beschränkung der Kinderzahl zu empfehlen, aber das hat mit unserem Probleme gar nichts zu schaffen. Nicht Mangel an Intellectualismus, sondern Mangel an den einfachsten Lebensbedürfnissen, an Milch, an Luft, kurz die sociale Noth bringt die Kinder der Armen in der Stadt um. Man bessere die abscheulichen Lebensbedingungen, man beseitige vor Allem den Alkoholismus, dann werden die Arbeiterkinder gerade so gesund und fröhlich aufwachsen wie die Kinder auf dem Lande.

Die Behauptung aber, daß die »gebildete« Frau ihre Kinder besser aufziehe als die natürliche Frau, ist einfach Unsinn. Wo gedeihen denn die Kinder am besten? In einfachen Verhältnissen und bei braven Eltern mit gesundem Verstände. Man lese die Biographien derer, die einer Kinderschaar armer Eltern angehört haben. Neuerdings hat H. Ellis für englische Verhältnisse nachgewiesen, daß geniale Menschen in der Regel kinderreichen Familien angehören, daß aus kinderarmen Familien durchschnittlich nicht viel Ausgezeichnetes kommt. Ich hatte schon früher für Mathematiker und für Künstler das Gleiche gefunden.
Man gehe hinaus aufs Land, in Gemeinden, wo das Geld knapp ist und die Bildung knapp ist, wo aber Elend und Trunksucht fehlen, da wird man sehen, worauf es ankommt, und die intellectualistischen Phrasen werden einem zum Ekel werden. Alle diese Dinge sind so einfach, daß ich sie am liebsten gar nicht bespräche, wenn ich nicht hier auf »die schwächeren Schwestern« Rücksicht nehmen müsste. Noch viel weniger als bei der körperlichen Pflege kann bei der Erziehung des Geistes der Intellectualismus die Natur ersetzen. Was braucht ein Kind zur Erziehung? Das Beispiel sittlich guter Menschen, besonders guter Eltern, und die Gemeinschaft mit Seinesgleichen.

Es ist eine alte Geschichte, daß die Kinder einander erziehen, und daß es um so leichter geht, je mehr Kinder da sind. Später kommt dann die Schule dazu. Oda stellt sich vor, die Frau ohne »höhere« Bildung stehe hilflos den sie geistig überwachsenden Kindern gegenüber, wie eine Henne, die Enteneier ausgebrütet hat, am Ufer steht, wenn die Entchen in’s Wasser gehen. Goethes Mutter und viele andere Beispiele widerlegen am besten solche Behauptungen. In gewissem Sinne muss der Sohn die Mutter überwachsen, aber das Herz hält sie zusammen. Fehlt es am Herzen, so hilft die höhere Bildung gar nichts.

Dr. P. J. Möbius – Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes, Abhandlung, Verlag Carl Marhold, Halle veränderte Auflage 1903

5 Antworten zu „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes I.“

  1. olaf61 sagt:

    Dr. Möbius war eine Frau? Also ich stelle mir immer vor, nein, tue ich nicht, ich müsste 9 Monate fremdes Leben in meinem Körper tragen und wäre eingeschränkt und nachher hätte ich mich noch mindestens zehn Jahre um die Geburt zu kümmern, denn der Erzeuger braucht ja seine Freiräume. Kumpels, Kegeln, Angeln, schön einen trinken gehen oder er verschwindet ganz, Trübe Aussichten.

  2. pippin sagt:

    @olaf61:
    ich müsste 9 Monate fremdes Leben in meinem Körper tragen und wäre eingeschränkt und nachher hätte ich mich noch mindestens zehn Jahre um die Geburt zu kümmern,

    In der Tat. Es wird den Frauen seitens der Feministinnen auch ständig erläutert wie beschwerlich und unvorteilhaft dies alles wäre. Und überhaupt sei das Kinderbekommen bloß eine Erfindung des Patriarchats um die Frauen zu unterdrücken( Du weißt ja Bernd, unseren Gedanken kreisen ständig darum, wie wir das Weibsvolk piesacken könnte). Es gibt dann bloß noch eine kleine Frage die unbedarfte Leute wie ich stellen: ja um Himmels Willen, wer soll dann die Kinder bekommen? Ach ich vergaß, diese Frage ist bereits längst geklärt: Durch Einwanderung, nämlich hauptsächlich durch Vertreter der Reiligion der Friedens. Es ist ja allgemein bekannt wie sehr den Vertretern der Religion der Friedens das Wohl der Frau als solcher am Herzen liegt. Womit ich irgendwie wieder auf die Überschrift dieses Blogbeitrages komme…

  3. olaf61 sagt:

    Ja, dennoch ist die Lastenverteilung ziemlich ungleich. Gut, das war schon immer so. Ich glaube auch kam dass vermehrte Appelle an den Patroitismus des deutschen Weibes dieses dazu bringen, mehr Kinder zu wollen. Das mit dem erhöhten Kindergeld und den Elternzeiten halte ich auch für Humbug. Frauen kriegen keine Kinder weil es Geld dafür gibt, sondern weil sie es wollen, Warum sie es heute weniger wollen als früher, hat sicher mit dem physiologischen Schwachsinn zu tun.

  4. pippin sagt:

    @ olaf61:

    Frauen kriegen keine Kinder weil es Geld dafür gibt, sondern weil sie es wollen, Warum sie es heute weniger wollen als früher, hat sicher mit dem physiologischen Schwachsinn zu tun.

    Der Effekt von dem Ottilie von Bistram sprach:

    Je weniger die Nachkommenschaft eines Thieres bedroht sei, um so geringer sei die Fruchtbarkeit.

  5. olaf61 sagt:

    Danke für die Korrektur.

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